Nichts ist für mich mehr Abbild der Welt und des Lebens als der Baum.
Vor ihm würde ich täglich nachdenken, vor ihm und über ihn….

© Christian Morgenstern



Betrachte jeden Baum und merke,
auf jedem Baum ist jedes Blatt
ein Blatt von einem Buch,
darin der Herr der Stärke
die Schöpfung aufgezeichnet hat.

© Saadî



Ein Baum gibt Leben.
Er ist beständig. Er gewährt Leben,
aber sein eigenes bleibt unvermindert.

©  Ojibwa


Bäume haben etwas Wesentliches gelernt:
nur wer einen festen Stand hat
und trotzdem beweglich ist,
überlebt die starken Stürme

© Anke Maggauer-Kirsche


Als der Wald zum ›nachwachsenden Rohstoff‹ wurde, verrohte das Verständnis für den Wald.

© Klaus Ender



Blätter

die im wind sich bewegen
die im sonnenschein sich drehen
die fester teil des astes
die kleiner teil des baumes
die unabdingbar sind für leben

wie zart das blatt
wie filigran die adern
wie effizient der bauplan
wie meisterhaft das mosaik
wie bedingungslos zum ganzen

welch baum und wald kann ohne sein

© Rainer Pflieger



Die vielen Bäume und die wenigen Menschen – die machen denn Wald so schön.

© Otto Weiss



Die Nacht macht alle Bäume gleich,
Sie stehen wie die dunklen Mauern
Von einem unterirdischen Reich
Und wie Gestalten, die am Wege kauern.

Doch ihre Frühlingsgeister halten mit dir Schritt.
Sie senden Blütenrauch im Dunkeln her
Und gehen abwechselnd am Wege mit,
Und sie verlassen dich nur schwer.
Nie sind der Frühlingsnacht die Wege leer.

© Max (Maximilian Albert) Dauthendey



Der Atem der Bäume schenkt uns das Leben.

© Roswitha Bloch


Habt Ehrfurcht vor dem Baum,
er ist ein einziges großes Wunder,
und euren Vorfahren war er heilig.
Die Feindschaft gegen den Baum
ist ein Zeichen von Minderwertigkeit eines Volkes
und von niederer Gesinnung des einzelnen.

© Alexander Freiherr von Humboldt



Des Menschen Freund

Des Menschen Freund
das ist der Baum
selbst wenn er wird umgehaun.
Denn auch in seiner höchsten Not
spendet er noch denen Trost
die nach seinem Leben trachten
und wie wild auf ihn einhacken
mit seinem langen, kühlen Schatten.

© Thomas Langner


Ein einzelner Baum macht noch keinen Wald,
aber dann und wann ist er der Rest eines Waldes.

© Thomas Häntsch



Der starke Baum

Es wächst ein Baum
Und seine Äste greifen
Kühn in den Raum,
Daß Sterne seinen Wipfel streifen.

Er weiß es, daß
An seinem Wurzelende
Der Neid, der Haß
Sich reichen brüderlich die Hände

Und mit dem Dorn
Der Schelsucht ihn verwunden.
Jedoch kein Zorn
Stiehlt ihm das Glück der frohen Stunden.

Er lächelt bloß
In ruhigem Verstehen:
Dies ist das Los
Von allen, die in Sterne sehen.

© Alfons Petzold


 


Hier ist das Schweigen im Walde heimisch,
das Schweigen,
das aus tausend kleinen Stimmen gewebt ist,
das flüstert und tuschelt
und raunt und kichert,
murrt und knirrscht,
das den einen so ängstigt
und den anderen so beruhigt.

© Hermann Löns



Nur eine Stunde im grünen Wald

Nur eine Stunde von Menschen fern,
Nur eine einzige Stunde!
Statt der tönenden Worte des Waldes Schweigen,
Statt des wirbelnden Tanzes der Elfen Reigen,
Statt der leuchtenden Kerzen den Abendstern,
Nur eine Stunde von Menschen fern!

Nur eine Stunde im grünen Wald,
Nur eine einzige Stunde!
Auf dem schwellenden Rasen umhaucht von Düften,
Gekühlt von den reinen balsamischen Lüften,
Wo von ferne leise das Echo schallt,
Nur eine Stunde im grünen Wald!

Nur eine Stunde im grünen Wald,
Nur eine einzige Stunde!
Wo die Halme und Blumen sich flüsternd neigen,
Wo die Vögel sich wiegen auf schwankenden Zweigen,
Wo die Quelle rauscht aus dem Felsenspalt,
Nur eine Stunde im grünen Wald!

© Auguste Kurs


Glaube an die Kraft der Bäume, und du wirst ihre Stärke fühlen können!

© Rita Keller



Im Wald

Wie dein grüngoldnen Augen funkeln,
Wald, du moosiger Träumer!
Wie deine Gedanken dunkeln,
Einsiedel, schwer von Leben,
Saftseurzender Tagesträumer!

Über der Wipfel Hin- und Wiederschweben
Wies Atem holt und voller wogt und braust
Und weiter zieht
und stille wird
und saust.

Über der Wipfel Hin- und Wiederschweben
Hoch droben steht ein ernster Ton,
Dem lauschten tausend Jahre schon
Und werden tausend Jahre lauschen
Und immer dieses starke, donnerdunkle
Rauschen.

© Peter Hille


Bäume haben etwas Wesentliches gelernt:
nur wer einen festen Stand hat
und trotzdem beweglich ist,
überlebt die starken Stürme

© Anke Maggauer-Kirsche


Ein alter Baum ist ein Stückchen Leben.
Er beruhigt. Er erinnert.
Er setzt das sinnlos heraufgeschraubte Tempo herab,
mit dem man unter großem Geklapper am Ort bleibt.
Und diese alten Bäume sollen dahingehen, sie,
die nicht von heute auf morgen nachwachsen?
Die man nicht ›nachliefern‹ kann?

© Kurt Tucholsky

 


Eine Großartigkeit an den Bäumen ist,
daß ihre Krone in den Himmel strebt
und die Wurzeln fest in der Erde haften.

© Kurt Haberstich


Jeder Baum, jede Hecke ist ein Strauß von Blumen,
und man möchte zum Maienkäfer werden,
um in dem Meer von Wohlgerüchen herumzuschweben
und alle seine Nahrung darin finden zu können.

© Johann Wolfgang von Goethe


Strahlenkegel im Wald

Ein Kegel gleißend heller Strahlenbahnen
dringt durch das Kronendach, rückt Moos und Farn ins Licht.
Der Baum im Dickicht kann das Leuchten ahnen,
bald nützt auch ihm der Durchlass in der Blätterschicht.

Des Glutsterns Lauf, ein Knecht der Zeit, beendet
für diesen Platz den allzu kurzen Sonnentag.
Das Licht des Himmel geht nicht fort, es sendet
der Bündel Kraft noch weiter für den Schattenschlag.

© Ingo Baumgartner



Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt.

© Khalil Gibran


Wie mag in einem rechten Sturm ein Baum zum Gefühl seiner selbst kommen!
Wie wunderbar ist eine Birke im Sturm! Wie göttlich graziös! Wie unsagbar malerisch!

© Christian Morgenstern



Ein Baum ist ein Wunder – der Wald bewirkt Wunder.

© Klaus Ender


Seht meine lieben Bäume an,
Wie sie so herrlich stehn,
Auf allen Zweigen angetan
Mit Reifen wunderschön!

Von unten an bis oben 'naus
Auf allen Zweigelein
Hängt's weiß und zierlich, zart und kraus,
Und kann nicht schöner sein;

Und alle Bäume rund umher,
All alle weit und breit,
Stehn da, geschmückt mit gleicher Ehr,
In gleicher Herrlichkeit.

© Nikolaus Lenau


Wenn in Wäldern Baum an Bäumen

Wenn in Wäldern Baum an Bäumen,
Bruder sich mit Bruder nähret,
Sei das Wandern, sei das Träumen
Unverwehrt und ungestöret;
Doch, wo einzelne Gesellen
Zierlich miteinander streben,
Sich zum schönen Ganzen stellen,
Das ist Freude, das ist Leben.

© Johann Wolfgang von Goethe


Indem wir einen Baum umarmen,
lernen wir seine Seele kennen.

© Roswitha Bloch



Der Baum – oder Schein und Sein

Ein Samenkorn fiel auf die Erde,
die Leute fragten, was es werde,
ein grüner Sproß schoß bald hervor,
und wuchs gen Himmel schnell empor.
Gegen ihn wurd' früh entschieden,
im Wind soll sich der Baum nicht wiegen,
für ihn gab's keine friedliche Ruhe,
er wurde eine Wäschetruhe.
Die Motorsäge nahm ihm den Saft,
die Hobelbank die letzte Kraft,
schon formte man aus seinem Fleisch,
ein hohles Ding zu hohem Preis.
Als letztes kam die größte Pein,
doch für die Optik muß das sein,
die zarte Haut gequält mit Beize,
entlockt man ihm die letzten Reize.
Nun steht er da in großer Wut,
gefüllt mit lauter fremden Gut,
das eigene Ich ward ihm genommen,
dafür hat er ja Stil bekommen.
Denkt man zurück an ihn als Baum,
und an den zarten Blätterflaum,
und an die Nester, die er barg,
weil er so zärtlich, aber stark.

© Petra Ewering

 



Bäume könnten uns lehren
uns dem Wind des Lebens
hinzugeben

© Anke Maggauer-Kirsche

 



Jeder Ast eines Baumes kennt eine Geschichte – ein alter Baum ist Geschichte.

© Klaus Ender



Bäume schmücken sich
mit den Blättergirlanden
und Jahresringen

© Erhard Horst Bellermann



Der verwundete Baum

Sie haben mit dem Beile dich zerschnitten,
Die Frevler - hast du viel dabei gelitten?
Ich selber habe sorglich dich verbunden
Und traue: Junger Baum, du wirst gesunden!
Auch ich erlitt zu schier derselben Stunde
Von schärferm Messer eine tiefre Wunde.
Zu untersuchen komm ich deine täglich,
Und meine fühl ich brennen unerträglich.
Du saugest gierig ein die Kraft der Erde,
Mir ist, als ob auch ich durchrieselt werde!
Der frische Saft quillt aus zerschnittner Rinde
Heilsam. Mir ist, als ob auch ichs empfinde!
Indem ich deine sich erfrischen fühle,
Ist mir, als ob sich meine Wunde kühle!
Natur beginnt zu wirken und zu weben,
Ich traue: Beiden geht es nicht ans Leben!
Wie viele, so verwundet, welkten, starben!
Wir beide prahlen noch mit unsern Narben!

© Conrad Ferdinand Meyer

   
An den Wald

Wald, der um mein Leben rauscht,
Ob ich noch so fern dir gehe,
Wald, in den die Seele lauscht,
Ob ich auch im Staube stehe -:

Bricht die letzte Nacht mir an,
Gönn' mir deine Einsamkeiten
Und laß mich als stillen Mann
In die ew'gen Wälder schreiten!

© Karl Ernst Knodt



Der Wald schläft

Friedlich schläft der Winterwald.
Rauhreif glitzert auf den Fichten.
Märchen werden zur Gestalt,
und es leben Spukgeschichten.

Ruprecht steigt herab ins Tal.
Unter tiefverschneiten Tännchen
stapft der alte Rübezahl,
trippeln kleine Wichtelmännchen.

Brombeerstrauch und Seidelbast
schlummern an der Haselhecke.
Eichkatz träumt auf einem Ast
unter weißer Daunendecke.

Buchen ragen stark und alt
aus dem Schnee wie Patriarchen.
Friedlich schläft der Winterwald,
und man hört die Bäume schnarchen.

© Fred Endrikat


Von einem dürren Baume kann man keine Früchte sammeln.

© Euripides  


Mein Wald, mein Leben

Ich sah den Wald im Sonnenglanz,
Vom Abendrot beleuchtet,
Belebt von düstrer Nebel Tanz,
Vom Morgentau befeuchtet:
Stets blieb er ernst, stets blieb er schön,
Und stets mußt' ich ihn lieben.
Die Freud' an ihm bleibt mir besteh'n,
Die andern all zerstieben.

Ich sah den Wald im Sturmgebraus,
Vom Winter tief umnachtet,
Die Tannen sein in wirrem Graus,
Vom Nord dahingeschlachtet;
Und lieben mußt' ich ihn noch mehr,
Ihn meiden könnt' ich nimmer.
Schön ist er, düsterschön und hehr,
Und Heimat bleibt er immer.

Ich sah mit hellen Augen ihn,
Und auch mit tränenvollen;
Bald sänftigt' er mein Grollen.
In Sommersglut, in Winterfrost, –
Konnt' er mir mehr nicht geben, –
So gab er meinem Herzen Trost;
Und drum: Mein Wald, mein Leben!

© Emerenz Meier


Es kommt die Zeit, da wiegt ein gesunder Baum tausend Menschen auf.

© Franz Friedrich Kovacs



Der Wald fällt ein

Den Waldweg decken Holzblätter, die braunen;
Herbstsonne scheint blau in die Nebeldaunen.
Jede Buche brennt gelb wie ein Leuchter zur Schau,
Und sie blitzen am Mittag noch nächtlich voll Tau.
Das Walddach zeigt rote und blaugelbe Ritzen,
Als ob scheckige Vögel im Astwerk sitzen.
Und manchmal, da regt es sich dunkel am Dach,
Und Du siehst einem handgroßen Schatten nach;
Weißt nicht, war's ein Vogel, oder war es ein Blatt,
Das sich in die Nebel verloren hat;
Du fühlst nur inmitten im messingnen Laub,
Fällt Lautloses auf Dich wie Steine so taub.
Und die blaue Sonne auf nebelnden Wegen,
Die darf sich kaum mehr an ein Blatt anlegen.
Der Wald wurde schattenlos, hell ein Raum,
Als steckt jetzt statt Laub klares Glaswerk am Baum.
Beim leisesten Blick schon das Glas zerbricht,
Der Wald fällt ein vor Deinem Gesicht. -
Mal auch Dein Herz wie Glas sich fühlt,
Dein Herz, das sich am Wald einst gekühlt,
Und es wird wie ein Blatt zerbrechlich ermatten,
War ein Singvogel einst und wird ein Schatten.

© Max Dauthendey



Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren.
Die nächstbeste Zeit ist jetzt.

© Aleksej Andreevic Arakceev

 

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